Elektromontage bei Westfalenfleiß: Präzision mit Perspektive

von Sebastian Deppe

Jeder Handgriff muss sitzen

Hier werden Kabel auf die richtige Länge zugeschnitten, Adern sorgfältig abisoliert und Endhülsen aufgepresst. Dort baut ein Beschäftigter einen komplexen Schaltschrank. In der Elektromontage von Westfalenfleiß in Münster herrscht konzentrierte Ruhe. Jeder Handgriff muss sitzen. Schließlich entstehen hier Bauteile, die später in Industrieanlagen, Rolltreppen oder Windkraftanlagen zuverlässig funktionieren müssen.

Viel Eigenverantwortung und abwechslungsreiche Aufgaben: Genau das schätzt Christian Reinhold an seiner Arbeit in der Elektromontage. Seit elf Jahren gehört er zum Team. „Die Gruppenleitung muss nicht mehr hinter mir stehen und meine Arbeitsschritte überprüfen. Sie wissen, dass ich meine Arbeit vernünftig mache“, sagt er, während er gerade einen Stromverteiler verdrahtet. Aufträge wie diese machen Christian Reinhold Freude, „da sieht man am Ende echte Ergebnisse.“

Rund 20 Beschäftigte arbeiten in der Elektromontage an der Rudolf-Diesel-Straße in Münster, vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen. Auch für Menschen mit kognitiven Einschränkungen schafft die Werkstatt Arbeitsplätze. In den vergangenen Jahren ist die Arbeitsgruppe stark gewachsen. Neue Auftraggeber sind dazugekommen, und die Stammkunden bleiben Westfalenfleiß treu. „Wir stehen für Qualität. Bei uns gelten dieselben hohen Anforderungen wie in der freien Wirtschaft. Alle Produkte werden nach Fertigstellung genau geprüft und montagefertig ausgeliefert“, erklärt Stanislaw Wassiljew, stellvertretender Betriebsstättenleiter am Standort Rudolf-Diesel-Straße.

Elektromontage von Westfalenfleiß: Vom Kabel bis zum Schaltschrank

Die Bandbreite der Arbeiten ist groß: von Kabelkonfektionierung, Platinenbestückung und Lötarbeiten bis Schaltschrankbau und Serienfertigung. Zu den Kunden gehören vor allem Unternehmen der Elektroindustrie aus Münster und dem Umland. Gefragt sind vor allem Zuverlässigkeit, Flexibilität und die hohe Qualität der Ausführung. „Gerade bei engen Lieferfristen schätzen die Auftraggeber die kurzen Wege und die schnelle Reaktion von uns“, weiß Stanislaw Wassiljew.

Arbeit, die fordert und Sinn stiftet

Was die Elektromontage so besonders macht, ist ihre Vielfalt. Kaum ein Auftrag gleicht dem nächsten. Wer hier arbeitet, muss aufmerksam sein, Regeln einhalten und Verantwortung übernehmen. Denn wo später Strom fließt, darf kein Fehler passieren. „Es ist keine monotone Arbeit. Die Beschäftigten werden gefordert und können sich ständig weiterentwickeln“, erklärt Manfred Neyenhuis, Gruppenleiter und Elektromeister. Der Einstieg in der Elektromontage gelingt auch ohne Vorkenntnisse. Alles beginnt mit einer sorgfältigen Einarbeitung. Schritt für Schritt lernen die Beschäftigten den Umgang mit Werkzeugen, Materialien und Arbeitsabläufen. Mithilfe des Neuen Bildungssystems für Werkstätten (NBS) werden sie systematisch angeleitet und qualifiziert, sodass sie ihre Fähigkeiten kontinuierlich erweitern und zunehmend anspruchsvollere Aufgaben übernehmen können. „Die Beschäftigten entwickeln sich zu Elektrohelferinnen und Elektrohelfern – ohne klassische Berufsausbildung, aber mit praktischen Kenntnissen“, so Neyenhuis.

Neben technischem Verständnis wachsen dabei auch andere Fähigkeiten: Feinmotorik, Fingerfertigkeit, Konzentration, Teamarbeit und Verlässlichkeit. Arbeitsaufträge werden anfangs mit Fotos, Mustern und verständlichen Beschreibungen erklärt. „Mit zunehmender Erfahrung gewinnen die Beschäftigten an Sicherheit und setzen ihre Aufträge eigenständig und routiniert um“, so Stanislaw Wassiljew.

Kabel für Offshore-Windkraftanlagen

Besonders motivierend ist für viele, dass sie genau wissen, wofür ihre Arbeit gebraucht wird. Die Gruppenleitung erklärt bei jedem Auftrag, welches Unternehmen dahintersteht und wo die fertigen Produkte später eingesetzt werden. So entstehen beispielsweise Kabel für Offshore-Windkraftanlagen vor der englischen Küste oder Schaltschränke für Rolltreppen. „Die Beschäftigten merken, dass sie hier etwas schaffen, das gebraucht wird“, sagt Manfred Neyenhuis.

Lust auf die Arbeit als wichtigste Voraussetzung

Viele neue Beschäftigte lernen die Elektromontage zunächst in einem Praktikum kennen – entweder aus anderen Werkstattbereichen bei Westfalenfleiß, aber auch von außerhalb. Dort zeigt sich schnell, wer Freude an den Aufgaben entwickelt und welches Potenzial vorhanden ist. Gruppenleiter Manfred Neyenhuis weiß: „Entscheidend sind weniger Vorkenntnisse als Interesse und Motivation. Spaß und Lust auf die Arbeit – das ist die wichtigste Voraussetzung. Und die versuche ich den Beschäftigten jeden Tag zu vermitteln.“

Menschen qualifizieren und Perspektive geben

Das Team der Elektromontage freut sich jederzeit über neue Beschäftigte. Geeigneten Nachwuchs zu finden, ist jedoch schwieriger geworden. Deshalb möchten die Verantwortlichen den Bereich stärker nach außen sichtbar machen – sowohl für Menschen, die auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive sind, als auch für Unternehmen, die einen zuverlässigen Partner in der Elektromontage suchen.

Doch der Erfolg der Elektromontage bemisst sich nicht allein an hochwertigen Produkten oder zufriedenen Kunden. Das wichtigste Ziel bleibt die Entwicklung der Beschäftigten. Wer sich fachlich und persönlich so weiterentwickelt, dass der Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelingt, hat aus Sicht des Teams den größten Erfolg erreicht. „Natürlich tut es weh, wenn wir tolle Beschäftigte verlieren“, sagt Manfred Neyenhuis. „Aber genau das ist unser Auftrag: Menschen zu qualifizieren und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Wenn jemand den Weg aus der Werkstatt schafft, haben wir gemeinsam alles richtig gemacht.“

Ein Dank zum Wochenendstart

Trotzdem verlassen manche Beschäftigte die Elektromontage nur schweren Herzens, weil sich dort so wohl fühlen. Warum das so ist, zeigt sich beispielsweise jeden Freitag um 16 Uhr. Dann werden die Werkbänke aufgeräumt und das Werkzeug weggelegt. Bevor alle ins Wochenende gehen, versammelt Gruppenleiter Manfred Neyenhuis die Beschäftigten noch einmal. Es ist ein festes Ritual: Er bedankt sich für ihren Einsatz und die geleistete Arbeit der vergangenen Woche. Eine kleine Geste mit großer Wirkung.

 

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