„Der Kreis schließt sich": Hanno Liesner neu im Vorstand der Dieter Kunath-Stiftung
von Sebastian Deppe
Hanno, du hast Dieter Kunath noch persönlich gekannt. Erzähl mal!
Das ist eine ganz schöne und berührende Geschichte. Wir haben 2005 mit dem inklusiven Tanzprojekt Funky e.V. angefangen (Anm.: Europas größtes inklusives Tanzensemble, gegründet von Hanno Liesner, der bis heute dort Vorstandsvorsitzender ist). Unter unseren Tänzerinnen und Tänzern war auch die Tochter von Herrn Kunath. Die damalige Westfalenfleiß-Geschäftsführerin Gerda Fockenbrock hat uns einen Proberaum organisiert. Herr Kunath hat uns irgendwann besucht, weil er sehen wollte, was seine Tochter dort macht.
Er war sofort begeistert und hat das Projekt von Anfang an unterstützt, später dann auch über seine Stiftung. Er kam regelmäßig vorbei, ruhig, aufmerksam, immer mit Anzug, nahm sich einen Stuhl und verfolgte das ganze Training.
Bei uns gab es damals – und gibt es heute wieder – ein kleines Ritual zum Abschluss: Alle nehmen sich Decken und Kissen, legen sich auf den Boden, und wir spielen ruhige Musik. Auch Menschen, die sonst sehr lebendig sind, werden dabei ganz still. Herr Kunath war sehr gläubig und hat mich einmal danach angesprochen: „Herr Liesner, das ist wie ein Gemeinschaftsgebet." Das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Was war Dieter Kunath für ein Mensch?
Ein sehr ruhiger Mensch. Er hat aus dem, was er gab, keine große Geschichte gemacht. Er war einfach immer daran interessiert, dass es Menschen gut geht und dass das, was er tut, den Alltag oder das Leben der Menschen ein bisschen angenehmer macht. Dabei war er zurückhaltend, diplomatisch und von einer fast altmodischen Höflichkeit, die einen wirklich beeindruckt hat.
Jetzt sitzt du selbst im Vorstand der Stiftung, die seinen Namen trägt. Wie kam es dazu?
Ehrlich gesagt: Mein erster Impuls war ein klares Nein. Ich bin vielfach engagiert, und ich übernehme keine Aufgabe, die ich nicht wirklich ausfüllen kann. Aber dann bat man mich, einfach eine Nacht darüber zu schlafen. Und schon nach ein paar Stunden war mir klar: Das kann ich nicht ablehnen. Denn der Kreis schließt sich hier. Die Tochter von Herrn Kunath hat bei uns getanzt. Er hat uns vertraut und Funky e.V. unterstützt. Es fühlt sich an wie eine Chance, etwas zurückzugeben. Das ist auch eine Ehre.
Was macht die Stiftung konkret? Wofür wird das Geld eingesetzt?
Da, wo Menschen bei Westfalenfleiß ohnehin schon viele Herausforderungen im Alltag stemmen, sorgt die Stiftung dafür, dass nicht noch eine weitere dazukommt, die nicht einfach zu bewältigen ist. So kann man bei uns zum Beispiel einen Zuschuss für eine Brille, ein Hörgerät oder ein neues Bett beantragen, also für Dinge, die für viele selbstverständlich sind, für andere aber eine echte Hürde.
Wer kann sich an die Stiftung wenden?
Alle, die bei Westfalenfleiß wohnen oder arbeiten. Ein Antrag wird zügig bearbeitet. Und wir arbeiten gerade daran, den Prozess noch zugänglicher zu machen, mit mehr Wegen, um Unterstützung zu beantragen.
Was liegt dir persönlich besonders am Herzen?
Vor allem zwei Dinge: Der enge Kontakt zu Westfalenfleiß und dass wirklich alle dort wissen, dass diese Stiftung existiert und dass sie einen Antrag stellen können. Das klingt simpel, aber es ist entscheidend. Wer an den Punkt kommt, wo er denkt: Ich bräuchte dieses Hilfsmittel, aber ich kann es mir nicht leisten. Der soll wissen: Wendet euch an uns. Wir schauen gemeinsam, was möglich ist.
Und wer die Stiftung unterstützen möchte?
Auch das ist echt wichtig. Eine Stiftung kann nur verteilen, was sie hat. Wer etwas Gutes tun möchte, tut es am wirksamsten, wenn das Geld gebündelt fließt, an eine Stelle, die dann von dort aus möglichst vielen Menschen hilft. Jede Spende zählt!
Die Dieter Kunath-Stiftung unterstützt Menschen mit Unterstützungsbedarf, die bei Westfalenfleiß wohnen oder arbeiten. Spenden und Zustiftungen sind steuerlich begünstigt.
Spendenkonto: Dieter Kunath-Stiftung · Sparkasse Münsterland Ost · IBAN: DE21 4005 0150 0134 5468 29
Kontakt: dieterkunathstiftung@gmail.com