Teilhabeplanung und Bundesteilhabegesetz - Mitarbeiter-Fortbildungstag im Wohnverbund

Vor dem Hintergrund, dass das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG) zum 01.01.2018 in Kraft getreten ist, veranstaltete der Wohnverbund der Westfalenfleiß GmbH in der Stadthalle Münster-Hiltrup einen großen Fortbildungstag für Mitarbeiter. Das BTHG basiert auf der Personenzentrierung. Was das konkret bedeutet, wurde an diesem Tag aus heilpädagogischer und aus juristischer Sicht in entsprechenden Vorträgen und anschließenden Workshops beleuchtet. 

Der Wille des Bundesteilhabegesetzes sei eine personenzentrierte und passgenaue Leistungserbringung für Menschen mit Behinderung. Dafür sei es - noch mehr als in der momentan angewendeten individuellen Hilfeplanung - unbedingt notwendig, die persönlichen Bedarfe der Menschen zu erheben, mit ihnen gemeinsam Ziele zu finden, diese zu formulieren und umzusetzen, erklärte Sabine Völkl-Recht von der Unternehmensberatung „Recht und Partner“ in ihrem Eingangs-Vortrag zur Teilhabeplanung. Dazu sei es erforderlich, dass die Mitarbeiter auf Augenhöhe und im Dialog mit den Menschen mit Behinderung aktiv deren persönliche Ziele und Zukunftswünsche ermitteln und sie unterstützen, diese auch realistisch umzusetzen. Anhand von Beispielen aus der Praxis erläuterte die Referentin, wie die gemeinsame Bedarfserhebung Schritt für Schritt erfolgen kann. „Die Ziele müssen konkret, überschaubar, attraktiv, messbar und in naher Zukunft umsetzbar sein“ fasste sie zusammen. „Das ist ein anstrengender dynamischer Prozess und bedarf einer ständigen Motivation und Reflexion.“ 

In den anschließenden Workshops griffen die Mitarbeiter die Impulse der Referentin auf und diskutierten die Umsetzungsmöglichkeiten sowie die Chancen und Risiken im normalen Arbeitsalltag. Geschäftsführerin Gerda Fockenbrock resümierte: „An diesen Beispielen können wir sehen, wie wichtig die Kenntnisse aus der Heilpädagogik sind und wie sehr wir genau hinschauen müssen, um den Bedarf eines jeden Menschen ermitteln zu können.“ 

Weiter ging es am Nachmittag mit einem Referat von Christoph Esser, Justiziar des Landesverbandes Lebenshilfe NRW, der anhand einer Powerpoint-Präsentation den aktuellen Stand des Bundesteilhabegesetzes (BTHG), der Landesausführungsgesetze und der Landesrahmenverträge darstellte. Letztendlich sei allerdings für die konkrete Umsetzung in die Praxis noch vieles ungeklärt, zog er sein Fazit. Das spiegelte sich auch in den anschließenden Workshops der Mitarbeiter wider: „Mehr Fragen als Antworten“ und „Unsicherheit“ – waren Stichworte, die auf den Flipcharts an den Workshop-Tischen zu lesen waren. Als positive Aspekte wurden aber auch genannt: „Entspricht personenzentriertem Ansatz“ und „Mehr Individualität im Gruppenalltag“. 

„Sie haben den guten Willen, das BTHG in die Praxis umzusetzen und fahren dabei Achterbahn“, griff das Münsteraner „placebotheater“ die erarbeiteten Inhalte aus den Workshops auf. Die Schauspieler und Comedians, Eva Maria Jazdzejewski, Ilka Luza und Arnd Cremer Meinold hatten die Diskussionen in den Arbeitsgruppen verfolgt, um sie – sehr zur Freude der Fortbildungsteilnehmer - am Ende des Tages im Rahmen eines Improvisationstheaters mit musikalischer Begleitung durch Jacob Reinhardt am Klavier auf der Bühne in witziger Form zu präsentieren. 

 „Diesem Thema eine solche Leichtigkeit zu geben, das ist eine Kunst“, bedankte sich Gerda Fockenbrock anschließend bei den Darstellern des Placebo-Theaters und sprach ebenso den Referenten, den Organisatoren, den Moderatoren der Workshops und den Teilnehmern ihren Dank aus. „Ich hoffe, dass wir mit dem heutigen Tag Ihr Interesse geweckt haben, die Entwicklung weiter zu verfolgen und dass Sie die Erkenntnisse aus der heutigen Fortbildung mit in Ihren Alltag nehmen können“, lautete ihr Wunsch an die Anwesenden zum Abschied.

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