Technisch besser, leichter zu handhaben und komfortabler - neue Behandlungseinheit für die Zahnmedizinische Praxis der Westfalenfleiß GmbH

Foto: Markus Mucha

In der Werkstatt der Westfalenfleiß GmbH wurde 1989 mit finanzieller Unterstützung durch die Konrad-Morgenroth-Förderergesellschaft (KMFG) eine eigene Zahnmedizinische Praxis eingerichtet. Seither hat es von der KMFG zur Aktualisierung des technischen Equipments immer wieder Zuwendungen gegeben. Nun konnte wiederum mit einer Spende von 15.000 € durch die KMFG und einem weiteren finanziellen Beitrag der LVM-Versicherung – eine neue moderne Behandlungseinheit angeschafft werden.

Die KMFG wurde 1971 als Stiftung unter dem Dach der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe gegründet und führt das Lebenswerk des Zahnarztes Prof. Konrad Morgenroth, dessen Engagement als Zahnarzt der Behandlung von Patienten mit geistiger Behinderung und spastischer Lähmung galt, fort. 

„Wir sind sehr dankbar, dass die KMFG uns immer wieder unterstützt und wir nun auch noch von der LVM eine Zuwendung erhalten haben, um den neuen Zahnarztstuhl anschaffen zu können. So brauchten wir nur noch einen Teilbetrag zu investieren, sonst hätten wir uns das gar nicht leisten können“, erklärt Hubert Puder, Sprecher der Geschäftsführung. „Unsere Zahnmedizinische Praxis ist einmalig und für die Menschen mit Behinderung von unschätzbarem Wert. Hier können sich die behandelnden Zahnärzte Zeit nehmen. Und da sie ihre Patienten teilweise schon seit vielen Jahren kennen, haben sie die Möglichkeit, individuell auf deren Probleme einzugehen. Das Vertrauen in den behandelnden Arzt ist gerade für unsere Beschäftigten und Nutzer von großer Bedeutung.“ 

Einer, der das nur allzu genau weiß, ist Dr. André Wöhner. Er war als Mitbegründer und Mitglied in  der KMFG von Anfang an dabei und ist bis heute neben Stefan Wegmann und Dr. Saskia Holstiege als einer der drei behandelnden Zahnärzte am Kesslerweg tätig. „Die Idee ist damals entstanden, weil viele Menschen mit Behinderung mangelnde Kenntnisse in Fragen der Mundhygiene hatten und teilweise große Angst vorm Zahnarzt“, berichtet er. So sei auch zu Beginn vor 30 Jahren zunächst ein großer Bedarf an Karies- und Parodontose-Behandlungen gewesen. Es sei ihnen aber immer wichtig gewesen, durch Mundhygieneschulungen - auch für Angehörige und Mitarbeiter des Westfalenfleiß-Wohnverbundes - die Notwendigkeit von zahnärztlichen Behandlungen zu minimieren. Heute stehe vor allem die Prophylaxe – auch mit Unterstützung durch die beiden zahntechnischen Assistentinnen, Ute Wolf und Claudia Schepers-Bäcker -  im Vordergrund. „Unser Credo war es auch immer, möglichst ohne Narkose zu arbeiten“, sagt er. Meistens sei das auch gelungen, da sich der Arzt hier genügend Zeit für die Patienten nehmen könne. 

Manchmal seien aber auch noch Behandlungen unter Narkose notwendig, ergänzt Dr. Saskia Holstiege, die seit etwa drei Jahren als Zahnärztin bei Westfalenfleiß aktiv ist.

Da sei es sehr zu bedauern, dass die Kosten für den Anästhesisten, häufig nicht von den Krankenkassen übernommen würden. Panikattacken und Ängste würden  dort nicht anerkannt. Da müsse noch weiter Lobbyarbeit geleistet werden. 

Aber auch die von den Zahnärzten wirklich aufgewendete Zeit in der Westfalenfleiß-Praxis wird von den Krankenkassen nicht komplett refinanziert. „Uns ist bewusst, dass Sie viel Engagement mitbringen und zum Teil auch ehrenamtliche Arbeit leisten, da die zahnärztliche Behandlung von Menschen mit Behinderung einen vergleichsweise hohen personellen und zeitlichen Aufwand erfordert“, bedankt sich Westfalenfleiß-Geschäftsführer Norbert Winter bei den Zahnärzten. 

Engagement – auch von Angehörigen - sei von Anfang an Triebfeder der Einrichtung und der Weiterführung der Zahnmedizinischen Praxi bei Westfalenfleiß gewesen, weiß auch Prof. Dr. Klaus-Michael Müller, Vorsitzender des Fördervereins Kultur und Freizeit der Westfalenfleiß GmbH und der Dieter Kunath-Stiftung, zu berichten. In diesem Zusammenhang erinnert er an den inzwischen verstorbenen Dieter Kunath, der als Vater einer Frau mit Behinderung vor 30 Jahren maßgeblicher Mitinitiator war und mit seiner Stiftung auch nach seinem Tod weiterhin die zahnmedizinische Praxis unterstütze. Ihm selbst als Vater eines Sohnes mit Behinderung sei die Weiterführung dieses Projektes ebenfalls sehr wichtig, betont Prof. Dr. Klaus-Michael Müller. „Mein Sohn Thomas geht regelmäßig hier zur Prophylaxe und es ist alles in Ordnung mit seinen Zähnen.“ 

So ist es auch für Thomas Czubay und Christina Keller, die beide schon seit Anfang der 90iger Jahre bei Dr. Wöhner in Behandlung sind. „Vorher hatten wir Probleme beim Zahnarzt, aber seit wir hier in Behandlung sind, haben wir keine Angst mehr und sind gesund im Mund“, sagen sie unisono. 

Dr. André Wöhner denkt nach 30 Jahren so langsam ans Aufhören. Mit Dr. Andreas Dahm, der auch Dr. Wöhners Praxis an der Rothenburg übernommen hat, steht auf mittelfristige Sicht schon ein kompetenter Nachfolger in den Startschuhen. „Ich habe auch früher schon Menschen mit Behinderung behandelt. Ich habe da gar keine Berührungsängste und ich freue mich auf meine Tätigkeit bei Westfalenfleiß“, versichert er. Zunächst wird  Dr. Wöhner, der zurzeit auch noch in seiner alten Praxis tätig ist, die Behandlungen in der Praxis Westfalenfleiß weiterführen und seine Aufgabe später an Dr. Andreas Dahm übergeben. Die Zukunft der Zahnmedizinischen Praxis in der Werkstatt am Kesslerweg ist also weiter gesichert. 

Und mit dem neuen Behandlungsstuhl wird alles noch viel besser von der Hand gehen, als vorher.  „Die neue Behandlungseinheit ist technisch besser, leichter zu handhaben und hat auch eine bessere Sitzergonomie“, beschreibt Dr. Saskia Holstiege die Vorteile. Das sei für die Patienten bequemer und unterstütze somit den Wohlfühlfaktor. Ein weiterer Pluspunkt sei es, dass es bei der Behandlung von Rollstuhlfahrern, leichter sei, die zahnärztlichen Instrumente über den Rollstuhl zu führen. 

Das freut auch Christina Keller, die auf ihren elektrischen Rollstuhl angewiesen ist und ihrer ersten Behandlung in dem neuen Stuhl bereits mit Spannung entgegensieht.

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