„Menschen mit Behinderung sind ja auch nur ganz normale Leute…“

Diese und noch weitere wichtige Erkenntnisse gewannen die Schüler der Sekundarschule Telgte, als sie im Rahmen des erstmalig durchgeführten `Unternehmensparcours´ drei Bewohnerinnen der Westfalenfleiß Wohnstätte Telgte begegneten.

„Die Idee war es, einen ganzen Schulvormittag lang unseren Siebtklässlern die Möglichkeit zu geben, verschiedene Unternehmen kennen zu lernen und ihnen praktische Einblicke in das Berufsleben zu ermöglichen“, erklärt Schulleiterin Inge de Lange. Es sei bewusst der siebte Jahrgang gewählt worden, da in der achten Klasse ein Praktikum absolviert werden müsse und viele Schüler gar keine Vorstellung haben, wo sie sich bewerben sollen. Und schließlich könne man nicht früh genug damit anfangen, den Jugendlichen die Arbeitswelt erfahrbar zu machen, fügt sie hinzu.

Vier Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen nutzten die Möglichkeit, den Schülern ihre Tätigkeiten vorzustellen. Das Handwerk wurde repräsentiert durch die Firma  Karthaus + Engberding, der Handel durch das Unternehmen Hygi und der Maschinenbau durch die Firma Münstermann. Als viertes Unternehmen war die Westfalenfleiß GmbH vertreten, um den Schülern soziale Berufe und die Arbeit mit Menschen mit Behinderung nahe zu bringen.

Anne Schulte, Koordinatorin für das Freiwilligenmanagement und den Sozialführerschein  bei der Westfalenfleiß GmbH, Birgit Honsel-Ackermann, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Berufspraktikantin Wiebke Kinnebrock und Julia Jaeger, die derzeit in der Werkstatt am Kesslerweg ihr freiwilliges Soziales Jahr absolviert, hatten dazu in der Pausenhalle mehrere Stationen aufgebaut, die die Jugendlichen in kleinen Gruppen durchlaufen konnten. Kräftig unterstützt wurden sie von drei Bewohnerinnen der Wohnstätte Telgte, die auch in der Westfalenfleiß-Werkstatt am Orkotten arbeiten.

Nach einer Präsentation des Unternehmens anhand des kurzen und informativen Westfalenfleiß-Imagefilms, diente das `Kennenlern-Bingo´ zunächst dazu, Berührungsängste abzubauen. “Das war gar nicht schwer, wir sind sofort miteinander in Kontakt gekommen“, sagt ein Schüler. Die Bewohnerinnen seien total offen und unkompliziert. Da gebe es gar keinen Unterschied. „Die Schüler sind richtig nett. Es macht Spaß, mit ihnen zu reden“, bestätigt auch Bewohnerin Simone Scheffler.

Um Teamarbeit erfahrbar zu machen, mussten die Siebtklässler gemeinsam eine Pyramide bauen, ohne dass das Werk zusammenfällt. Dann wurden sie in die Situation von Menschen mit Behinderung und deren Assistenten versetzt. In wechselnden Rollen hatten sie die Aufgabe, einen Rollstuhlparcours zu absolvieren und mussten sich schließlich an der vierten Station mit verbundenen Augen treppauf und treppab führen lassen. „Blind zu sein ist nicht schön“, stellt eine Schülerin fest. „Man ist total auf andere angewiesen und fühlt sich so ausgeliefert.“  Aber auch die Rolle des Blindenführers sei nicht einfach. Dabei sei es wichtig, sich gut in den anderen hineinzuversetzen und klare Anweisungen zu geben, wann z.B. ein Hindernis zu bewältigen sei. Es habe viel Spaß gemacht und sei eine gute Erfahrung gewesen, zogen die Schüler ihr Fazit bei der anschließenden Reflexionsrunde.

„Wir haben ihnen am Ende noch eine Aufstellung mitgegeben von Berufen, die man in der Behindertenhilfe ausüben kann und wie die Zugangsvoraussetzungen sowie die jeweilige Ausbildung aussehen“, berichtet Anne Schulte. Außerdem seien auch noch Flyer zum Freiwilligen Sozialen Jahr und zu Ausbildungsmöglichkeiten bei Westfalenfleiß im Infopaket enthalten gewesen. „Das ist für uns auch eine gute Chance, frühzeitig junge Leute für einen sozialen Beruf und speziell für eine Tätigkeit bei Westfalenfleiß zu begeistern“, fügt sie hinzu.

Als Win-Win-Situation empfanden auch Susanne Velske-Beimesche und Josef Götte, stellvertretend für die Lehrer der Sekundarschule, die beteiligten Firmenvertreter sowie Mitorganisator Andreas Bäumer von der Wirtschaftsförderung der Stadt Telgte die gelungene Veranstaltung. Alle waren sich einig, dass der Unternehmensparcours sowohl für die Schüler als auch für die Unternehmen gewinnbringend gewesen sei. Es wurde beschlossen, das Event im nächsten Jahr zu wiederholen und möglicherweise als festen Bestandteil im Schulleben der Sekundarschule zu etablieren.

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