Kunst am Rand - eine Ausstellung für Entdecker

„Der Hochsitz ist rot, damit die Tiere gewarnt werden“, ist sich eine Beschäftigte vom Gut Kinderhaus sicher. „Ich glaube er soll die Leute aufmerksam machen auf die Erdbeersaison hier auf dem Hof“, meint die andere. - Beide Frauen hatten sich bereit erklärt, an einem Videoprojekt zur Ausstellung „Kunst am Rand“ mitzuwirken. Der rot angemalte Hochsitz unter dem Titel `Flur 10, Flurstück 66´ von der Künstlerin Friederike Hinz ist eines der Objekte dieser Ausstellung.

50 Arbeiten von 39 Künstlerinnen und Künstlern werden an vier Orten  präsentiert: beim Sportverein Westfalia Kinderhaus, beim Pfarrhaus St. Josef, an der Waldschule und auf Gut Kinderhaus. Dort können Kunstliebhaber und solche, die es werden wollen, auf Entdeckungsreise gehen.

Der freiberufliche Videofilmer und Medienpädagoge, Rudolf Gier-Seibert, war von den Organisatoren der Ausstellung beauftragt worden, Statements von Künstlerinnen, Künstlern, Besucherinnen und Besuchern zu 24 ausgewählten Kunstwerken einzufangen, um sie auf der Internetseite von „Kunst am Rand“ zu präsentieren. Die beiden Beschäftigten von Gut Kinderhaus waren mit Feuereifer dabei. Im Vorfeld hatten sie sich die Objekte bereits intensiv angesehen und sich Gedanken dazu gemacht. Die Installation `Ins Tal´ von der Künstlerin Nikola Hamacher zum Beispiel zeigt Schattenbilder von Personen, die alleine mitten in einer Landschaft sitzen und auf ihr Smartphone schauen. Dazu hatten die beiden Frauen die Assoziation von Menschen, die einsam und bedrückt sind, die den Kontakt zur Außenwelt nur noch über ihr Handy halten. „Das ist sehr traurig“, meint die eine, „ich würde lieber spazieren gehen und die Landschaft genießen.“

Alle Videosequenzen können vor Ort über QR-Codes (auf den jeweiligen Hinweisschildern bei den Kunstwerken) bei YouTube aufgerufen werden. Ebenfalls befinden sie sich auf der Internetseite: www.kunstamrand.de . Die Kommentare der beiden Beschäftigten vom Gut Kinderhaus befinden sich jeweils am Ende der Videos.

„Es ist super, dass so viele Menschen zum Gut Kinderhaus kommen, um sich die Kunstwerke anzusehen. Ein wenig kommt es mir vor, wie eine kleine Ausgabe der Skulpturprojekte. Die Kunst ist da, wo sie hingehört - nahe bei den Menschen“, ist das Resümee der beiden interviewten Frauen vom Gut Kinderhaus.

Dass der rote Hochsitz als Hinweis auf die Erdbeersaison dienen  soll, wird wohl eher ein jahreszeitlich bedingter Zufall sein. Aber schließlich steht die Interpretation von Kunst jedem frei. Wer sich selber einen Eindruck verschaffen möchte, hat noch bis zum bis zum 16. September 2018 die Gelegenheit dazu. Es ist allemal lohnenswert!

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