30 Jahre Zahnmedizinische Praxis der Westfalenfleiß GmbH

Eine festlich gedeckte Kaffeetafel erwartete die Gäste im Café Gut Kinderhaus. Hubert Puder, Sprecher der Geschäftsführung, hatte anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Zahnmedizinischen Praxis am Kesslerweg Gründer, Wegbegleiter, Unterstützer sowie ehemalige und aktuell praktizierende Zahnärzte des besonderen Angebotes für Menschen mit Behinderung eingeladen. „Die Beschäftigten unserer Werkstatt und Nutzer unseres Wohnverbundes können hier während der Arbeitszeit angstfrei zum Zahnarzt gehen. Das ist ein echtes Privileg und das haben wir Ihnen und Ihrem Engagement zu verdanken“ richtete er sein Gruß- und Dankeswort an die Anwesenden. „Sie haben frühzeitig erkannt, dass für Menschen mit Behinderung eine andere Art von zahnärztlicher Behandlung erforderlich ist, vor allem mit einem höheren personellen und zeitlichen Aufwand als üblicherweise. Und diesen Mehraufwand erbringen Sie größtenteils ehrenamtlich. Das finde ich nach wie vor sehr beeindruckend“, führte er weiter aus. 

Er begrüßte auch ausdrücklich Gerda Fockenbrock, die sich als ehemalige Geschäftsführerin der Westfalenfleiß GmbH 27 Jahre lang für die Zahnmedizinische Praxis stark gemacht habe und er bedauerte, dass Dr. André Wöhner, der die Praxis von Anfang an maßgeblich mit aufgebaut und noch heute als leitender Zahnarzt dort tätig ist, kurzfristig aus persönlichen Gründen bei der Jubiläumsfeier nicht anwesend sein konnte. 

Bevor es zur gemütlichen Kaffeerunde überging, erzählte Rolf Austermann, einer der mitbegründenden und ehemals leitenden Zahnärzte von den Anfängen. Ende der 80iger Jahre sei der Gedanke entstanden, in den Räumlichkeiten der Werkstatt am Kesslerweg eine eigene Zahnmedizinische Praxis einzurichten, um eine gute Versorgung zu sichern und eine kontinuierliche zahnärztliche Betreuung sowie eine regelmäßige Prophylaxe für die Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten. Über die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe haben er und Dr. André Wöhner Kontakt zur Konrad-Morgenroth-Förderergesellschaft (KMFG) als potenzielle finanzielle Unterstützerin aufgenommen und seien gleich auf offene Ohren gestoßen.

Die KMFG wurde 1971 als Stiftung unter der Führung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe gegründet und sollte das Lebenswerk des Zahnarztes Prof. Konrad Morgenroth, desen Engagement als Zahnarzt der Behandlung von Patienten mit geistiger  Behinderung und spastischer Lähmung galt, fortführen.

Im März 1988 erhielt die Westfalenfleiß GmbH die Zusage der KMFG über die initiale Fördersumme von damals 50.000 DM. Mit dieser finanziellen Unterstützung konnte ein erster Behandlungsraum eingerichtet werden. Im Oktober 1989 fand die offizielle Übergabe der Zahnmedizinischen Praxis seitens der KMFG an die Westfalenfleiß GmbH statt. Seither hat es immer wieder bis heute ideelle und materielle Unterstützung seitens der KMFG gegeben. „Aus einem zarten Pflänzchen ist eine prächtige Pflanze geworden“, fasste Rolf Austermann den Erfolg zusammen und betonte, dass das gute Klima bei Westfalenfleiß sie beflügelt und ihnen Kraft gegeben habe, ihre Idee weiter nach vorne zu bringen. Heute sind in den inzwischen zwei Behandlungsräumen der Zahnmedizinischen Praxis Dr. André Wöhner, Stefan Wegmann und Saskia Holstiege als Zahnärzte tätig. Das Praxisteam wird mit zwei erfahrenen zahnmedizinischen Fachangestellten, Ute Wolf und Claudia Schepers-Bäcker, vervollständigt. Rund 200 Menschen mit Behinderung nehmen das Angebot regelmäßig wahr. 

Gerda Fockenbrock bedankte sich auch noch einmal bei Dr. Elisabeth Fuchs als ehemalige leitende Zahnärztin sowie bei Prof. Dr. Dr. Egbert Machtens  und Dr. Richard Siepe, Vorsitzender der KMFG: „Sie haben die Idee von Anfang an begeistert aufgenommen und auch Ende letzten Jahres wieder einen hohen Beitrag zur Anschaffung einer neuen Behandlungseinheit geleistet“. Dass die Zukunft dieses Projektes kurz vor ihrem Ruhestand damit erst einmal wieder gesichert war, habe sie sehr gefreut. 

„Wir brauchten von Anfang an keine Geschäftsordnung, keine Satzung und keine Verträge“, wusste auch Prof. Dr. Klaus-Michael Müller, Vorsitzender des Fördervereins Kultur und Freizeit der Westfalenfleiß GmbH und der Dieter-Kunath-Stiftung, zu berichten. „Unser `Verein´ funktioniert trotzdem. Die Visionen halten uns zusammen.“  Engagement – auch von Angehörigen, besonders von dem inzwischen verstorbenen Mitinitiator und Sponsor Dieter Kunath - sei von Anfang an Triebfeder der Einrichtung und der Weiterführung der Zahnmedizinischen Praxis gewesen, betonte er. 

Nach so vielen Lobesworten schmeckten Kaffee und Kuchen besonders gut. In angenehmer Atmosphäre und mit dem weiteren Austausch von Erinnerungen ließen die Gäste die kleine, aber feine Jubiläumsfeier ausklingen.

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