20 Jahre Wohnstätte der Westfalenfleiß GmbH Arbeiten und Wohnen in Telgte

„Parole Goldschatz“ - dieses Motto riefen Mitarbeiter und Bewohner der Wohnstätte der Westfalenfleiß GmbH in Telgte verkleidet als Emil und die Detektive in ihrem anlässlich des 20-jährigen Jubiläums ihres Wohnhauses selbst geschriebenen und inszenierten Theaterstücks  „Das Treffen in Telgte“ aus. Die jungen Spurensucher retteten in Konkurrenz  zu den berühmtesten Detektiven der Welt, Sherlock Holmes, Hercule Poirot, Miss Marple und Lord Peter Wimsey den in Pastors Scheune gefundenen Kelch des Fürstbischofs von Galen vor dem Zugriff des gefürchteten Ganoven Al Capone.

 

Das Theaterstück war nur eines von vielen Programmpunkten, an denen sich die Gäste der Jubiläumsfeier erfreuen konnten. Die Musikklasse der Realschule Telgte, die Sambagruppe Canposada, der Spielmannszug „Rote Husaren“ und die Tanzgruppe „Funky Movements“ heizten die Stimmung bei den rund 450 Besuchern des Gartenfestes so richtig ein. Für Kinder gab es Kreativ- und Spielangebote. Eine Fahrt in der Stretch-Limousine rundete das attraktive Programm der Feier ab. Die Dekoration und die  Kostüme der anwesenden Personen spiegelten das Motto des Festes „Die goldenen Zwanziger“ wider – alles war im Charleston-Look gestylt.

 

Schließlich sorgten ein reichhaltiges Kuchenbuffet und eine Grillstation mit Würstchen und Kartoffelsalat für das leibliche Wohl der von den Bewohnern geladenen  Angehörigen, Mitglieder des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung sowie Mitarbeiter der Westfalenfleiß GmbH, Nachbarn und Freunde. Auch der Telgter Bürgermeister, Wolfgang Pieper, war gekommen, um die Glückwünsche der Stadt zu überbringen. „Sie sind mitten drin in unserer Stadt und wir sind stolz, dass wir in Telgte ein so gut integriertes Wohnhaus für Menschen mit Behinderung haben“ resümiert Pieper. „Bei Ihren Besuchen im Rathaus haben wir gemeinsam überlegt, wie die Inklusion  in unserem Sozialraum noch weiter verbessert werden kann“, so Pieper weiter.

 

Nach einer Bauphase von zwei Jahren mit Finanzierung durch Bundesmittel, Mittel des Landschaftsverbandes sowie Unterstützung durch die Aktion Mensch und mit Eigenmitteln wurde am 26.06.1993 die Wohnstätte für Menschen mit Behinderung der Westfalenfleiß GmbH in Telgte offiziell eröffnet. In der Wohnstätte fanden 27 Bewohner  zum Teil damals noch in Doppelzimmern ein neues Zuhause. Heute leben dort - nach einem Umbau im Jahr 2002 - 26 Be­wohner von 22 bis 83 Jahren in 18 Einzel­zimmern in 3 Wohn­gruppen, zwei Einzel­apparte­ments und drei Apparte­ments für zwei Per­sonen. Zu­sätz­lich wird 1 Zimmer  für das Kurz­zeit­wohnen bereit­ge­halten. Jede Wohn­gruppe verfügt über ein ge­mütliches Wohn-Esszimmer und eine gut aus­ge­stattete Küche. In Zusammenarbeit mit der Katholischen Fachhochschule ist 2002 auch ein „Raum der Ruhe“ mit Wasserbett und Licht- sowie Musikanlage eingerichtet worden.

 

„Besonders stolz sind wir auch auf unser Programm „Sozialführerschein“, bei dem Schüler der Klassen 9 und 10 aus den weiterführenden Schulen in Telgte ein niederschwelliges Praktikum in unserem Haus absolvieren, damit sie ihre Berührungsängste verlieren. Viele Schüler halten auch nach Abschluss ihres Praktikums weiterhin Kontakt zu den Bewohnern. Einige haben auch bei der Vorbereitung unseres Festes mitgeholfen“, berichtet Gerda  Fockenbrock, Geschäftsführerin der Westfalenfleiß GmbH. „Schüler des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums haben mit uns gemeinsam das Projekt „Ein Mensch wie Du – Mein Recht auf Teilhabe“ durchgeführt und präsentieren jetzt hier im Haus die Ergebnisse“, so Fockenbrock weiter.

 

Im Laufe der 20 Jahre hat es einige Auszüge gegeben, einige Bewohner sind bereits verstorben. Ein Großteil der Bewohner jedoch lebt dort nach wie vor seit der ersten Stunde.

 

„Die Bewohner und Mitarbeiter fühlen sich pudelwohl und gut gestützt dank der Fachkompetenz der Wohnbereichsleiterin Marija Olbrich, die seit Beginn mit professionellem Verstand und viel Herz das Haus führt,“ freut sich Michael Kaven, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Westfalenfleiß GmbH in seiner Festansprache. „Unser Dank geht auch an die Bürger von Telgte, die in offener und großzügiger Weise die Menschen mit Behinderung in ihrer Stadt willkommen geheißen haben“, spricht Kaven seine Anerkennung aus.

 

Die Bewohner sind sehr aktiv und unternehmungslustig. In ihrer Freizeit nehmen sie, zum Teil begleitet durch die Mitarbeiter, viele Angebote wahr: vom Reiten, über Discobesuche, Kegeln Gospelchor, Schwimmen, Kegeln, Theater, Kino bis hin zur Computernutzung. Sie  sind sehr gut integriert in das Gemeindeleben in Telgte und haben viel Kontakt zu Telgter Bürgern. „Hier fühle ich mich wohl, die Wohnstätte ist meine Heimat geworden“ fasst Dagmar Koch, Bewohnerin seit 20 Jahren ihre Zeit im Haus der Westfalenfleiß zusammen.

Ernst Raneberg, Vorsitzender des Fördervereins der Wohnstätte Telgte ergänzt: „Wir Eltern sind super zufrieden. Wir schätzen uns glücklich, dass unsere Söhne und Töchter hier ein neues Zuhause gefunden haben.“ 

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