Flasche her, Zettel rein, Deckel drauf und ab ins Meer - Theater Maniacs spielt `Flaschenpost´

Ein Schiff aus Umzugskartons, ein einfaches Holzgestell mit an Fäden baumelnden Flaschen, eine Bahn Blauer Samtstoff, um Wasser zu symbolisieren und ein paar weitere kleine Requisiten – mehr braucht es nicht für ein gelungenes Theaterstück! Mit einfachen stilistischen Mitteln und dafür umso mehr Ausdruckskraft der Schauspielenden mit und ohne Beeinträchtigungen führte das Theater Maniacs vor begeistertem Publikum seine dritte Produktion mit dem Titel `Flaschenpost´ auf. 

„Eigentlich ist Flaschenpost nicht mehr als Altglas und Papier. Und es ist ganz einfach: Flasche her, Zettel herein, Deckel drauf und ab ins Meer. Das kann jeder. Dafür braucht man keine Anleitung. Aber aus diesen banalen Zutaten wird etwas ganz Faszinierendes. Es ist wie Zauberei. Eine Flaschenpost ist ein Spiel mit der Natur, dem Meer. Und mit dem Geheimnis.“ Mit diesen Worten weckte einer der Schauspieler zu Beginn die Neugier der Zuschauenden und schon wurden diese mitgenommen auf eine abenteuerliche und zugleich humorvolle Seereise mit phantastischen Begegnungen, sonnigen Stränden, aber auch kalten Inseln der Einsamkeit und des Verlustes. 

Drei Angler sitzen am Meer und führen – echt ostfriesisch – wortkarge Dialoge: „Moin, moin“. Bis einer eine Flaschenpost aus dem Wasser zieht. Sie enthält den SOS-Ruf eines Mannes, der als blinder Passagier an Bord eines großen Segelschiffes in ein Unwetter geraten ist. Ein Szenario, das die Schauspieler ihr Publikum gleich bis zum bitteren Untergang emotional miterleben ließen. 

Die nächste Botschaft aus dem Meer enthielt ebenfalls einen Hilferuf. Eine gekenterte Crew treibt auf einem Floß dahin, ohne Wasser, ohne Vorräte. Die Erkenntnis wächst, dass sie nur überleben können, wenn einer sich bereit erklärt, sich als Nahrung für die anderen zur Verfügung zu stellen. Wen wundert es – alle Gestrandeten weisen Argumente auf, weshalb die Wahl auf keinen Fall sie treffen kann und so schippern sie weiter mit offenem Ende… 

Ein anderer Brief - mit dem Wasser verschickt - enthält die Suche der einsamen Veronika nach einem netten Mann, der Lust auf Abenteuer hat und bereit ist, mit ihr zu neuen Ufern zu segeln. Gleich findet sich auch der mutige Kapitän, der einen neuen Kontinent entdeckt. Siegesgewiss trotzt er bei Betreten des unbekannten Landes seiner vor Hunger meuternden Mannschaft. „Ich werde als Held zurückkehren“, freut er sich lauthals und wird – nur bemerkt von seinen vor Angst schlotternden Matrosen – von einer Horde wilder Menschen umzingelt. Die Befürchtung, dass es sich um Kannibalen handelt, bewahrheitet sich zwar nicht, aber dennoch werden die Eindringlinge von den Ureingeborenen, die sich schließlich als Vegetarier outen, von dem eben betretenen Grund und Boden wieder vertrieben. „Immer diese vielen Entdecker. Wir wollen einfach nur Ruhe haben“, hallt es ihnen nach. Aus der Traum von Ruhm und Ehre! 

Am Ende der Aufführung verdunstet sogar das ganze Meer – die blaue Stoffbahn verschwindet in einem Gefäß. Gab es die See wirklich? Wurden die Geschichten tatsächlich erlebt? War alles nur Illusion? 

Ob wahr oder erfunden - die Zuschauer jedenfalls belohnten die spannenden Storys mit frenetischem Beifall und lauten „Bravo“-Rufen, sehr zur Freude der acht Schauspielenden sowie des Regisseurs Bart Hogenboom und der Organisatorin Hildegard Wilken. Zu guter Letzt sprach Hildegard Wilken nicht nur dem Publikum einen herzlichen Dank aus, sondern  auch ihren Unterstützern: der Aktion Mensch und der Westfalenfleiß GmbH. Ebenfalls bedankte sie sich beim Haus vom Guten Hirten für die Möglichkeit der Nutzung der Räumlichkeiten.

Zurück