Endlich Premiere – Wohnberatung durch Selbstvertreter in der Regenbogenschule

Nach fast zwei Jahren Vorbereitungszeit war es nun endlich so weit. Walburga Langes, David Schwarte und Fareschta Sultani, alle drei Nutzer des Westfalenfleiß-Wohnverbundes, führten erstmals als Selbstvertreter eine Wohnberatung bei Abschluss­stufenschülern der Regen­bogen­schule durch. Unterstützt wurden sie dabei von Wohnbereichsleiterin, Petra Schlingmann.

„Ausgehend davon, dass Menschen mit Behinderung als Experten in eigener Sache anderen Menschen mit Behinderung am besten selber darstellen können, wie sie leben, haben wir vor zwei Jahren den Entschluss gefasst, Nutzer unseres Wohnverbundes in die Wohnberatung mit einzubeziehen“, erläutert Petra Schlingmann, die bei Westfalenfleiß für die Wohnberatung zuständig ist. Zusammen mit der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster, sei ein Konzept entwickelt worden, wie dieser Grundgedanke in die Praxis umgesetzt werden kann. Die Idee sei gewesen, dass geschulte Selbstvertreter die verschiedenen Angebote des Westfalenfleiß-Wohnverbundes in Schulen vorstellen.

Um das Ganze visuell zu unterstützen, wurde zunächst in  Kooperation mit Jeanette Kuhn, ehemalige Moderatorin der Lokalzeit Münsterland im WDR Fernsehen und dem Kameramann, Ferdinand Fries, ein Film mit dem Titel „So wohnen wir“ gedreht, in dem die Protagonisten die Zuschauer durch ihre Wohnhäuser beziehungsweise durch ihre Wohnungen führen. Außer Walburga Langes, David Schwarte und Fareschta Sultani zeigt auch Viktoria Schell in dem Film, wie sie wohnt.

Nach Fertigstellung des Films wurden die zukünftigen Wohnberater von Jeanette Kuhn in ihrer Rolle geschult. „Themen dieses Coachings waren unter anderem die Begrüßung und Anmoderation, die Körperhaltung, der Augenkontakt zum Publikum und insgesamt ein selbstbewusstes Auftreten“, berichtet Walburga Langes. „Außerdem haben wir uns darauf vorbereitet, welche Fragen auf uns zukommen könnten und welche Antworten wir dann geben. Wir haben auch eingeübt, wie wir reagieren sollen, wenn wir eine Frage

nicht beantworten möchten, weil sie uns vielleicht zu intim ist. Das Ganze haben wir gefilmt und gemeinsam ausgewertet. So haben wir uns gegenseitig kontrolliert. Das war eine sehr gute Vorbereitung“, so Walburga Langes weiter.

Und dann, endlich, ging es los! Über Marita Müsch, eine der beiden Schulsozialarbeiterinnen der Regenbogenschule, wurde ein erster Termin vereinbart. Rund 15 Schüler und einige Lehrer kamen zusammen und verfolgten gebannt die Präsentation der Wohnberater. Zahlreiche Fragen prasselten auf diese ein: Wie viel Menschen wohnen in eurem Haus? Wie viele Bewohner teilen sich ein Bad? Haben alle ein Einzelzimmer? Wohnen in einer WG Männer und Frauen zusammen? Darf man Besuch mitbringen? Kann man auch als Paar zusammen wohnen? Muss man bei Westfalenfleiß arbeiten, um auch dort wohnen zu können? Wie bewirbt man sich um eine Wohnung? Bekommt man Unterstützung bei Antragsstellungen? Diese und noch weitere Fragen beantworteten die Protagonisten souverän und erläuterten auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Wohnformen, die bei Westfalenfleiß angeboten werden.

„Diese Informationen waren für mich sehr interessant und die drei haben alles gut rübergebracht“, resümiert Julius Lauterbach, Schüler der Regenbogenschule. Er beabsichtige auch in den nächsten Jahren von zu Hause ausziehen und da sei es sehr wichtig, sich schon früh damit zu beschäftigen. Marita Müsch, die an der Regenbogenschule den Übergang „Schule – Beruf“ begleitet, kann das nur bestätigen: „Für unsere Schüler und auch für die Lehrer ist es sehr hilfreich, viele Informationen zum Thema Wohnen zu bekommen und Ansprechpartner zu haben.“ Auch von Eltern sei schon Interesse für einen Wohnberatungsnachmittag mit den Selbstvertretern bekundet worden. Sie könne sich gut vorstellen, dass das auf Dauer ein fester Bestandteil des Schulprogramms werden könne. „Ich war auch erstaunt, wie konzentriert und aufmerksam die Schüler bei der Sache waren, das ist im Unterricht nicht immer unbedingt so der Fall“, schmunzelt sie. Das sei ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Wohnberatung bei den Teilnehmern richtig gut angekommen sei.

Westfalenfleiß-Geschäftsführerin, Gerda Fockenbrock, freut sich über den Erfolg der Premiere: „Es ist schön, dass diese neue Form der Wohnberatung auf so gute Resonanz gestoßen ist, wir haben alle viel Energie in dieses Projekt investiert.“ Und sie hoffe, dass es gelingt, die Wohnberatung durch Selbstvertreter als regelmäßige Veranstaltung in den Schulen zu etablieren.

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